Geschichte

Gründung

Bemühungen, etwas für die Literaturszene in Witten zu tun, gehen schon bis in die 40er Jahre zurück. Auf Initiative von Konrad Maria Krug, Dr. Arthur Venn sowie Robert Ruthenfranz und Käthe Gischler (Buchhandlung C. L. Krüger) entstand der „Ring junger Autoren Westdeutschlands“ mit dem Ziel, das Vorstellen früher Texte und das eigene Verorten in den politischen und kulturellen Wirren der Nachkriegszeit zu ermöglichen. In der Veröffentlichung unseres Kreises „Warten auf eine Taube“ anlässlich des zehnjährigen Bestehens weist der Wittener Autor Hugo Ernst Käufer in seinem Vorwort darauf hin, dass auch der spätere Nobelpreisträger Heinrich Böll Anfang der 50er Jahre zu Lesungen gern nach Witten kam. Weitere bekannte Persönlichkeiten aus unserer Stadt seien hier kurz erwähnt, wie der Fernsehjournalist Paul Karalus oder der Autor und Pädagoge Georg Goyert, Übersetzer bedeutender Autoren der Weltliteratur, etwa Joyce („Ulysses“), Flaubert, Rimbaud, Camus, Poe, Faulkner, um nur einige zu nennen.

Im April 1989 trat Sabine Ch. Sellmann als Initiatorin an den Förderungsbeirat des Kunst- und Kulturfonds der Stadt Witten heran, mit dem Wunsch, eine Kommunikationsmöglichkeit für heimische Autorinnen und Autoren zu schaffen. Mit Unterstützung des Autors Hugo Ernst Käufer und nach einigen organisatorischen Vorgesprächen entstand am 12. Juni 1990 in der VHS Witten- Wetter-Herdecke der Aktionskreis Literatur in Witten, der sich heute Wittener Autorinnen- und Autorentreff nennt. Zu den Gründungsmitgliedern zählten neben Hugo Ernst Käufer und Sabine Ch. Sellmann die Autorinnen Inge Methfessel, Otti Pfeiffer, und Monika Littau sowie die Autoren Martin Burkert und Heinz Krämer. Ebenso gehörte auch der frühere Direktor der Volkshochschule Wilhelm Friedrich Karl Böcher, der selbst mit literarischen Texten hervorgetreten ist, dazu. Durch ihn erhielt der Kreis tatkräftige Unterstützung in räumlicher und organisatorischer Hinsicht, gewann der heutige Wittener Autorinnen- und Autorentreff als „autarke Gruppe“ in der Volkshochschule eine ständige Heimstatt. So konnte der Treff für seine Arbeitssitzungen die Seminarräume nutzen. Außerdem stellte die VHS Begleitmaterialien wie Publikationen der Texte, Programme u.a. für die Jahreslesungen bereit. Auch seitens Rat und Verwaltung sowie vor allem durch Mitglieder des Förderungsbeirates des Wittener Kunst-und Kulturfonds erhielt unser Kreis Unterstützung, sei es ideell oder finanziell.

Aktivitäten

Seit Beginn des nunmehr 35-jährigen Bestehens unseres heutigen Kreises standen Werkstattbegegnungen mit hiesigen Autorinnen und Autoren und die Organisation gemeinsamer Lesungen in der Öffentlichkeit im Vordergrund. Daneben, in der Anfangsphase, Lesungen in Wittener Schulen, Motto: „Wir schreiben für euch – wir lesen für euch.“ Erwähnt sei ferner die kurz nach der Gründung entstandene Reihe „Wittener Wandgedichte“. Mit dieser Plakataktion erhielt der Kreis weitere Aufmerksamkeit, um zu einer Belebung der Literaturszene in Witten sowie der Steigerung des öffentlichen Interesses daran beizutragen.

Die bis heute bestehende Auseinandersetzung mit den eigenen Prosatexten und Gedichten führt zu einem regen Austausch unter den Mitgliedern. Neben dem literarischen Genuss steht dabei immer auch noch etwas anderes im Vordergrund: Die in den monatlichen Zusammenkünften vorgestellten Lesebeiträge werden kritisch besprochen, um jedem Mitglied die Möglichkeit zu eröffnen, durch die hierdurch erfolgten Denkanstöße an der Optimierung der eigenen Texte zu arbeiten.

Zum Jahresende findet seit mehr als zwanzig Jahren regelmäßig die öffentliche Lesung einer Auswahl der erarbeiteten Texte statt, um diese einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und das Interesse an unseren literarischen Produktionen aufrecht zu erhalten und zu stärken. Diese Veranstaltungen, zunächst als „Herbstblätter“, seit einigen Jahren als „Herbstlesung“ bezeichnet, finden nunmehr jährlich im Konzertsaal des Hauses Witten statt.

Des Weiteren sei auf die während der vergangenen Jahre abgehaltenen Lesungen in Senioreneinrichtungen und auf Weihnachtsmärkten hingewiesen, die einzelne Autoren und Autorinnen unseres Treffs durchgeführt haben.

Besonders hervorgehoben seien auch die Veröffentlichungen und Feiern anlässlich unseres 10-jährigen Bestehens („Warten auf eine Taube“, Witten 2000), unseres 20-jährigen Bestehens („Das Schicksal ein Reisender zu sein“, Witten 2010) und die Veranstaltung zum 30-jährigen Jubiläum, das wegen der Coronapandemie mit einjähriger Verspätung begangen wurde. Aus diesem Anlass veröffentlichten wir ein Buch mit dem Titel „Wie wir uns täglich umgeben“, an dem u.a. zahlreiche noch aktive Mitglieder unseres Treffs mitgewirkt haben.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal allen UnterstützerInnen unserer Arbeit danken. Zu nennen sind hier neben der VHS Witten-Wetter-Herdecke die Bibliothek Witten, das Kulturforum Witten sowie zahlreiche Sponsoren der heimischen Wirtschaft.

Leitung und Mitglieder

Die Leitung hatte zunächst Hugo Ernst Käufer inne. Später wurde sie nacheinander von Inge Methfessel, Beate Nettmann-Roy, W.F.K. Böcher, Thomas J. Lottes und Peter Süßenbach, dem ehemaligen VHS-Bereichsleiter, ausgeübt. Es folgte Wolf-Dieter Lepiorz. Seit 2014 leitete Hans-Werner Kube den Kreis, gefolgt von Julia Koch (seit 2024).

Die wechselnden Namen unserer Mitglieder der vergangenen Jahrzehnte können wir an dieser Stelle nicht alle aufzählen. Folgende Persönlichkeiten seien dennoch gesondert erwähnt, so etwa Hilmar Klute, Buchautor und Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, und Helmut Spiegel, Buchautor und Redakteur bei der WAZ.

Doch auch zahlreiche andere Autoren und Autorinnen sind mit Veröffentlichungen hervorgetreten. Romane, Sammlungen von Kurzprosa, Gedichtbände und Beiträge in Anthologien, Literaturzeitschriften und Zeitungen sind hier zu nennen. Nähere Informationen können den Kurzbiografien auf unserer Homepage entnommen werden sowie den gelegentlichen Presseartikeln zu einzelnen Mitgliedern und ihren Aktivitäten in den örtlichen Medien.

Die monatlichen Zusammenkünfte unseres Treffs finden in der Regel an jedem dritten Samstag Nachmittag in der Bibliothek an der Ruhrstraße statt.


Sabine Ch. Sellmann, Ralf Stehmann, Brigitte Griel